Literatur zum Thema Interkulturalität in der medizinischen Praxis:
Zimmermann, E. (2000): Kulturelle Missverständnisse in der Medizin. Ausländische Patienten besser versorgen. Verlag Hans Huber, Bern, Göttingen
Dies ist ein hochinteressantes Buch, das sich mit einem Thema befasst, das lange vernachlässigt wurde: dem spezifischen Krankheitsspektrum von Ausländern in Deutschland, vom Heimwehsyndrom bis zu schwerwiegenden körperlichen Krankheiten. Es wird die Forderung nach Schulung der Ärzte in spezifischer Gesprächsführung erhoben und das Freiburger Modell der Zusammenarbeit mit einem Medizinsoziologen, Ethnomediziner und Psychologen vorgestellt. Die typischen Missverständnisse werden angeführt, zum Beispiel die Schwierigkeiten durch die mangelhafte Beherrschung der deutschen Sprache, die Angst vor der unverständlichen westlichen Medizin im Krankenhaus oder die Verwechslung des Symptoms mit der Krankheit.
Haenel, F. und Wenk-Ansohn, M. (2005): Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren. Beltz, Weinheim
Vermehrt benötigen Verwaltungsgerichte Gutachten, um klinische Fragestellungen abzuklären und Angaben über Folter- und Bürgerkriegsfolgen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren zu prüfen. Es geht um psychisch traumatisierte Menschen. Standards für fachgerechte Gutachten der bundesweiten Arbeitsgruppe SBPM ("Standards zur Begutachtung psychisch traumatisierter Menschen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren") sind Inhalt des vorliegenden Buchs, das die Grundlage der gleichnamigen Curricularen Fortbildung der Bundesärztekammer ist. Welche fachlichen Vorraussetzungen benötigen Gutachter? Ein aussagepsychologisches Gutachten - ist die Aussage glaubhaft? - wird einem schwer traumatisierten Menschen nicht gerecht, da gerade das Ausblenden der Traumatisierung vielfach Teil des klinischen Störungsbildes ist. Die Begutachtung erfordert klinische Fachkompetenz im Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen. Gutachter sollten vertraut sein mit traumaspezifischen Gedächtnisprozessen, Beziehungs-aspekten und Komorbiditäten. Sie sollten "echte" von "vorgetäuschten" psychischen Symptomen unterscheiden können, geübt sein in der Befunderhebung mit Hilfe von Dolmetschern und Informationen über politisch-kulturelle Hintergründe des Herkunftslandes sowie des deutschen Asyl- und Ausländerrechts haben. Anhand von Kasuistiken und zwei Mustergutachten gibt das Buch die grundlegenden Standards für diese verantwortungsvolle Aufgabe an die Hand.