Programmziel und -inhalt von Faustlos
Faustlos ist ein wissenschaftlich ausgearbeitetes Programm zur Stärkung der emotionalen und sozialen Kompetenz und damit zur Unterstützung der Konfliktfähigkeit von Kindern.
Das Curriculum vermittelt Kindern Handlungsalternativen zur Vermeidung von Gewaltanwendung. Es erweitert das Verhaltensrepertoire, so dass Kinder und Jugendliche flexibler auf soziale Situationen reagieren können. Dadurch greift es schon weit im Vorfeld möglicher Eskalationen.
Faustlos richtet sich immer an alle Kinder und Jugendlichen in einer Gruppe oder Klasse im Kindergarten oder in der Schule. Somit werden weder potenzielle Opfer noch Täter stigmatisiert.
Das Programm wird den Kindern über ihre Erzieher und Lehrer vermittelt, die vorher speziell geschult wurden. Es setzt damit auf stabile und bewährte Beziehungen.
Die erlernten Verhaltensänderungen werden durch kontinuierliches Training verfestigt und in den Alltag transferiert.
Entwickelt wurde das vielfach ausgezeichnete Programm im Rahmen internationaler Standards. Faustlos ist die deutsche Version des amerikanischen Programms Second Step. Für Deutschland, die Schweiz und Österreich wurde es im Heidelberger Präventionszentrum von Prof. Dr. Manfred Cierpka und seinem Team modifiziert. Mehrere wissenschaftliche Studien belegen die Wirksamkeit des Curriculums. Das Programm unterliegt einer ständigen, strengen Qualitätskontrolle.
Drei-Schritte-Programm Faustlos
Faustlos wurde von Pädagogen und Psychologen aus der Praxis entwickelt. Sie erarbeiteten ein Drei-Schritte-Programm, das Kindern und Jugendlichen die Deeskalation in Konfliktsituationen erleichtert.
- Empathie (Einfühlungsvermögen)
Die Kinder lernen, ihre eigenen Gefühle und die Gefühle anderer zu erkennen; sie lernen, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen und darauf entsprechend emotional zu reagieren. - Impulskontrolle
Zu geringe Impulskontrolle zeigt sich in unangemessenen Verhaltensweisen. Mit Impulsen, d. h. mit unangenehm erlebten Anspannungszuständen kontrolliert umzugehen, sie konstruktiv zu nutzen und gedanklich „das Beste aus der Situation zu machen“, ist Ziel dieser Lernübungen. Ergänzt werden sie durch die Vermittlung und Einübung verschiedener Problemlösestrategien. - Umgang mit Ärger und Wut
Zorn und Empörung sind völlig normale menschliche Reaktionen – insbesondere auch bei Kindern und Jugendlichen. Faustlos zeigt, wie die Kinder konstruktiv mit Ärger und Wut umgehen können und wie sie sich selbst bewusst beruhigen können.
Die Faustlos-Methode
Das Programm Faustlos setzt auf die Fortbildung pädagogischer Fachkräfte in der Gewaltprävention einerseits und auf die Ausrüstung von Schulen und Kindergärten mit hochwertigen Lehrmaterialien andererseits. Der Erwerb der Faustlos-Materialien ist immer an eine Fortbildung des Anwenders gekoppelt.
Die ausschließlich vom Heidelberger Präventionszentrum durchgeführten eintägigen Faustlos-Fortbildungen dienen einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Kurs und der Entwicklung eines eigenen „Faustlos-Stils“ der Lehr- und Erziehungskräfte.
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Die Faustlos-MaterialienDie in einem Faustlos-Koffer altersgerecht zusammen gestellten Lehrmaterialien umfassen 30 Fotokartons, ein Handbuch, ein Anweisungsheft mit differenziert ausgearbeiteten Lektionen sowie die speziell für Kindergarten-Kinder entworfenen Handpuppen Wilder Willi (Hund) und Ruhiger Schneck (Schnecke). |
Anwendung des Faustlos-Programms
Der Faustlos-Kurs umfasst insgesamt 28 Lektionen. Im Anweisungsheft sind die Lektionen in genau der Reihenfolge aufgeführt, in der sie durchgeführt werden sollen. Es gibt unter anderem Lektionen mit den Themen „Gefühle ändern sich“, „Was ist fair“, „ein Spielzeug miteinander teilen“ und „Umgang mit Hänseleien“. Jede Lektion beinhaltet das Vorlesen einer Geschichte und die Besprechung der darin geschilderten Situation. Unterstützend werden die Situationen jeweils auf einem oder mehreren Fotokartons dargestellt. Während die Geschichten vorgelesen werden, sitzen die Kinder im Kreis und schauen sich die Fotokarten dazu an.
Zur Vermittlung der Inhalte werden den Kindern darüber hinaus Modellrollenspiele gezeigt, in denen die zwei Handpuppen Wilder Willi und Ruhiger Schneck zum Einsatz kommen. Zudem gibt es spielerische Übungen zum Gelernten sowie Rollenspiele, in denen die Kinder angeleitet werden, eigene Situationen nachzuspielen. Zu jeder Lektion werden den Erziehungskräften Handlungs-, Spiel- und Verhaltensvorschläge gegeben, wie das Gelernte spielerisch in den Alltag übertragen werden kann.
Auch die Eltern der Kinder werden in das Präventionsprogramm mit einbezogen. Sie werden über die bevorstehenden Inhalte und Themen der einzelnen Lektionen per Brief informiert. In den Briefen erhalten die Eltern auch Anleitungen und Tips, wie und womit sie das Kind in dem Gelernten unterstützen können.
