Projekt Prävention von häuslicher Gewalt in Migrantenfamilien

Häusliche Gewalt, verstanden als Gewalt zwischen Erwachsenen in partnerschaftlichen oder familiären Beziehungen, ist in allen Schichten, Bildungsniveaus und ethnischen Gruppen anzutreffen. Die Opfer körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt sind überwiegend Frauen. Indirekt sind auch die im Haushalt lebenden Kinder betroffen.

Familien mit Migrationsgeschichte tragen hier ein besonderes Risiko. Oft sind sie zusätzlichen Belastungen ausgesetzt, wie zum Beispiel Entwurzelung oder der Trennung von Freunden und Verwandten. Strukturelle Benachteiligungen in Form von Sprachbarrieren, finanziellen Sorgen, unsicheren Aufenthalts- und Beschäftigungsverhältnissen und Diskriminierungen können die Situation verschärfen. Soziale Normen, Werte und Geschlechterbilder in der Herkunftsfamilie stehen denen der Mehrheitsgesellschaft in vielen Fällen entgegen. Um mit innerfamiliären Konflikten konstruktiv umzugehen, müssen bisherige Lösungswege zum Teil angepasst werden und die Familienmitglieder ihre Fähigkeiten neu entfalten.

Wann immer es zu Gewalt im häuslichen Umfeld kommt, benötigen die Opfer Schutz, und die gewaltausübenden Täter sind ausnahmslos in die Verantwortung zu nehmen. Für eine langfristige Verbesserung der Situation müssen im Rahmen der primären Präventionsarbeit jedoch beide Seiten angesprochen werden: Opfer und Täter.

In der Täterarbeit im Bereich häuslicher Gewalt gibt es vielversprechende Erfahrungen mit Anti-Gewalt-Trainingsgruppen. Bundesweit existieren jedoch nur wenige Angebote für Männer mit Migrationshintergrund bzw. solche, die speziell auf migrationsspezifische und kulturelle Inhalte fokussieren.

Im Jahr 2011 arbeitete das Projekt „Prävention von häuslicher Gewalt in Migrantenfamilien“ an einer Vernetzung und Befragung von Akteuren, die mit Tätern häuslicher Gewalt aus Berlin im Kontakt sind. Die hiesigen Erfahrungen wurden dabei durch Expertisen aus dem Bundesgebiet sowie dem europäischen Ausland vervollständigt. Ende 2011 wurden die Ergebnisse der Systemanalyse in einem Bericht zusammengeführt und Bedarfe sowie Empfehlungen für die Schaffung eines Angebots für Täterarbeit zur Prävention häuslicher Gewalt in Migrantenfamilien daraus abgeleitet.

Das Pilotprojekt lief bis Dezember 2011 und wurde gefördert von der Gesellschaft der Alexianerbrüder – St. Hedwig und St. Joseph Krankenhaus Berlin. Eine Publikation der Ergebnisse ist derzeit in Arbeit.

Team

Prof. Dr. med. Christian Pross
Wissenschaftliche Leitung
www.christian-pross.de

Dipl.-Psych. Carlotta Schneller
Projektkoordination

Kooperationspartnerin

Dr. med. Meryam Schouler-Ocak
Leiterin der AG Versorgungs- und Migrationsforschung, Sozialpsychiatrie
Ltd. Oberärztin der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig Krankenhaus

Dr. med. Iris Hauth
Ärztliche Direktorin, St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee

Fachliche Beratung

Dipl. Päd. Stefan Beckmann
BIG Koordinierung (www.big-koordinierung.de), Koordination Täterorientierte Intervention, BIG e.V. - Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen
Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V. – BAG TäHG

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