Reittherapie: Körperkontakt ohne Furcht
Der Kontakt mit Pferden bietet traumatisierten Kindern und Jugendlichen eine vielleicht einzigartige Chance: das Erlebnis einer positiven Beziehung und emotionalen Bindung, die wortlos glücklich macht.
Selbst von zwischenmenschlichen Beziehungen enttäuschte Kinder sind gerne bei Pferden – und finden hier nach Missbrauchserfahrungen Geborgenheit ohne Angst vor Sexualisierung. Die Reittherapie ermöglicht Kindern einen besseren Zugang zu sich selbst und zu anderen, bietet positive Körpererfahrungen und die nonverbale Auseinandersetzung mit aktuell auftretenden Konflikten.
Die Regeln sozialer Kommunikation werden dabei ohne Druck erlernt, denn Pferde geben ein leicht erkennbares Feedback auf unangemessenes Benehmen und bewirken damit Verhaltensänderungen. Die Grenzen des Gegenübers zu akzeptieren und eigene Grenzen zu setzen – diese wichtige Erfahrung wird mit dem Pferd gemacht, geübt und auf den Alltag übertragen. Die Möglichkeit eigener Handlungsfähigkeit und Kontrolle ersetzt Erfahrungen von Ohnmacht und Ausgeliefertsein. Mit dem Pferd lernen Opfer, die „Zügel wieder selbst in die Hand zu nehmen“.
Weil das Pferd trotz allem ein Lebewesen mit eigenen Impulsen bleibt, können die Kinder damit immer wieder Überraschendes erleben. Das Pferd reagiert auf feine Körpersignale, fördert soziale Kompetenz, Beziehungsfähigkeit und Selbstwertgefühl, stärkt die Problemlösungsfähigkeit und Befähigung, mit Affekten und Gefühlen angemessen umgehen zu können.